reflections

Die Leiden des Daniel

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Er ging vom Aegidientorplatz Richtung Zentrum. An der nächsten Kreuzung, in der Nähe der Deutschen Bank, hatte sich einige verlorene Passanten zusammengefunden. Ein Auto und Polizei war zu sehen. Der Verkehr wurde umgeleitet; es befand sich dort eine Absperrung. Die Polizisten hatten Mühe, die Passanten zurückzuhalten.
Sven näherte sich der Stelle; er konnte jetzt beobachten, was sich dort abgespielt hat.
Einige Menschen schluchzten vor sich hin, andere schauten fassungslos auf den Körper am Boden, welcher direkt neben dem Auto am Bordstein lag. Sven traute seinen Augen nicht. Dort lag auf dem Asphalt, aus einem Ohr und dem Mund blutend, regungslos sein bester Freund Daniel. Sein Hemd war geöffnet; seine Augen schauten ins Leere.

Auf der anderen Straßenseite, halb verdeckt, sah er ihn noch einen Moment verweilen; wie er sich nervös an den anderen Menschen vorbei schob, kurz zu dem am Boden liegenden Jungen herüber sah, und dann in der Menge verschwand.

Sven stand völlig regungslos, fast erstarrt, am Rande des Geschehens. Er atmete kaum, blickte hilflos, mit weit aufgerissenen Augen, auf seinen toten Freund. Schier endlos lange Minuten verstrichen, bis er überhaupt in der Lage war, die Situation zu erfassen. Dieser Augenblick war unerträglich. Sein Körper begann zu zittern, er holte einmal tief Luft, ließ die Luft angehalten. Seine Hände verkrampften sich zu einer Faust; er wußte nicht, ob er jetzt losschreien oder heulen sollte. Sein Mund war geöffnet, sein Atem ging stoßweise, er sah nur immer wieder auf die reglosen Augen seines Freundes, dann finge er an, laut zu schluchzen.
Ganz leise hauchte er über seine Lippen:"
Daniel".
Tränen liefen ihm über die Wangen. Er wischte sie nicht ab, bemerkte auch nicht die neben ihm stehende Frau, welche ihm ein Taschentuch geben wollte.
Sven sah, wie der leblose Körper seines Freundes in den Rettungswagen transportiert wurde.

27.8.10 13:47

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